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Dieses Titelbild ist von meiner Schwägerin - vielen Dank dafür!

Dienstag, 9. September 2014

35 Die kleine Feldmaus in Afrika

Es war ein herrlicher, lauer Sommertag. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde spielten den ganzen Tag auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Fangen, Verstecken und rannten um die Wette.

Als die kleine Feldmaus wieder zuhause war und ihren Leberknödelbraten gegessen hatte, fiel sie wie ein Stein ins Bett. Es dauerte keine fünf Minuten, da war sie tief und fest eingeschlafen. Mitten in der Nacht wachte sie auf. Sie mußte mal zur Toilette. Als sie die Tür zum Bad öffnete, traute sie ihren Augen nicht. Da war eine riesige grüne Wiese und die Sonne ging gerade auf. "In unserem Bad ist eine Wiese." wunderte sie sich noch, als sie ein Brüllen hörte.

Sie schaute nach links, woher sie das Brüllen gehört hatte. Sie sah aber nur vier lange braungefleckte Hälse mit Giraffenköpfen darauf. Das waren Giraffen! Wo kamen die denn her? "Hallo!" rief sie den Giraffen zu. Aber vermutlich war sie zu weit weg und die Giraffen konnten sie gar nicht hören. Dafür hörte sie wieder das Brüllen. Es kam doch eher von rechts. Und es schien lauter, näher zu sein als vorhin. Dann sah sie die großen dunkelbraunen Mähnen. Sie kamen direkt auf sie zu.

Sie rannte weg, direkt auf die Giraffen zu. Es brüllte hinter ihr, aber etwas leiser. Vielleicht hatten die Löwen sie ja gar nicht gesehen. Sie war doch ziemlich klein. Als sie fast nicht mehr konnte, lief sie auf einen dicken, dunkelgrauen Baum auf. Manno! Den Baum hatte sie gar nicht gesehen. Sie war sich sicher, daß sie nicht auf einen Baum zugelaufen war. Jetzt bewegte sich der Baum auch noch. In Afrika gab es aber komische Bäume. Dann sah sie die Hufe. Das waren keine Bäume, sondern die Beine eines Elefanten. Kein Wunder, daß die sich bewegten.

Sie hielt sich an einem "Baum" fest und wurde schnell wie der Wind durch die hohen Gräser getragen. Nur die Richtung stimmte eigentlich nicht. Sie wollte doch zu den Giraffen! Na gut. Sie ließ sich los und lief alleine weiter. Vom Brüllen war nichts mehr zu hören. Na, Gott sei Dank! Aber es gab auch andere Gefahren außer Löwen. "Aaaaah!"

Sie war in ein Loch gefallen und ganz weit in einen Bau reingerutscht. Dort war es ganz ähnlich wie bei ihnen zuhause. Angenehm warm, aber nicht zu heiß. Schön weicher Sand und nicht zu naß. Es gab Gänge, die nach links und rechts abzweigten. Aber sie rutschte immer weiter geradeaus. Dann sah sie eine Tür auf sich zukommen. Und... Bummm! Mit dumpfem Knall plumpste sie an die Tür. Das hätte auch ungemütlicher ausgehen können. Dann bewegte sich die Türklinke. Die kleine Feldmaus versteckte ihr Gesicht hinter einer Hand. So ein Quatsch! Was da durch die Tür kam, konnte sie ja trotzdem sehen.

Kurz darauf standen drei Erdmännchen vor ihr. "He, wer bist denn du?" wurde sie gefragt. "Ich bin die kleine Feldmaus..." antwortete sie und war sich nicht sicher: Freund oder Feind? Aber die Erdmännchen sahen nicht feindselig aus. Im Gegenteil. Sie hatten Tee und Gebäck in ihren Pfötchen und luden die Feldmaus ein, mit ihnen Tee zu trinken. Diese staunte nicht schlecht. Drei Gänge und sechs Türen weiter, im Teesaal, saßen und quasselten mindestens 25 Erdmännchen. Die Feldmaus sagte brav "Hallo" und gesellte sich mit ihren drei Begleitern dazu. Der Tee war lecker. Und die Plätzchen erst!

Nach einer Weile hörte sie ein tiefes, langes Tuten. "Was bedeutet das?" "Das bedeutet, daß es regnet und wir alle zur Sicherheit den Bau verlassen müssen." "Schade, wo es doch gerade so gemütlich ist." Und alle verließen den Teesaal und krabbelten an die Oberfläche. Oben angekommen regnete es in strömen. Jetzt sah sie auch wieder die Giraffen. Denen machte der Regen nichts aus. Sie reckten ihre Hälse hoch in die Kronen der Bäume und futterten grüne Blätter. Die kleine Feldmaus verabschiedete sich und lief wieder auf die Giraffen zu. Ein Erdmännchen rief ihr noch etwas zu, aber sie konnte es im starken Regen nicht verstehen.

Plötzlich verlor sie den Boden unter den Füßen. Sie flog hoch in die Luft und konnte die Giraffen hinten unter sich aus der Vogelperspektive sehen. Sie bekam Angst. Etwas hatte sie gefaßt und das bedeutete nichts Gutes. "Moin!" Es sprach mit ihr. "Moin?" wunderte sich die Feldmaus. "Na, du. Wie geht es dir?" "Ich wäre lieber auf dem Boden geblieben. Bitte tu mir nichts." "Ach Quatsch! Ich bin ein Flamingo. Schau: ganz rosa." Tatsächlich! Sie brauchte sich nicht zu fürchten. "Wieso hast du mich mit in die Luft genommen?" "Siehst du da unten? Die riesige Staubwolke?" "Was ist das?" "Büffel! Du wärst nicht entkommen." Und da wir abgehauen sind, habe ich dich halt mitgenommen.

Jetzt sah die Feldmaus es: hunderte, nein: tausende Flamingos hatten sich vor der Büffelherde in Sicherheit gebracht und flogen jetzt hier oben bei ihnen. Das sah sehr elegant aus. Man, hatten die große Flügel. Der ganze Himmel sah aus wie in Rosa getaucht! "Kannst du mich zu den Giraffen bringen? Bitte!" "Na klar. Was willste denn da?" "Ich mag Giraffen. Ich wollte immer schon einmal eine Giraffe von nah sehen." "Liebe Passagiere! Bitte halten sie sich gut fest. Es geht abwääääärts."

Nach wenigen Augenblicken waren sie abseits der Büffel im hohen Gras gelandet. Die kleine Feldmaus hatte den Flamingo verabschiedet und sich noch einmal bedankt. Wenige Meter hinter ihr standen die Giraffen. Die waren ja so riesig! Sie ging hinüber und winkte nach oben. Eine Giraffe senkte ihren Hals zur Feldmaus hinunter. "Hallo. Wer bist denn du?" "Hallo, liebe Giraffe. Ich bin die kleine Feldmaus und ich wollte so gerne mal eine Giraffe von nah sehen." "Willst du mal eine Giraffenherde von GANZ nah sehen?" "Sehr gerne." Und die kleine Feldmaus hielt sich an einem Ohr der Giraffe fest. Und die hob ihren Kopf und den langen Hals.

Und mit irrwitziger Geschwindigkeit sauste die kleine Feldmaus nach hoch oben in die Krone des nahen Baumes. "Boah! Ist das hoch!" staunte die Feldmaus. "Ja, aber für uns ist das ganz normal. Hier gibt es die leckersten Blätter. Möchtest du mal eins probieren?" "Nee danke. Lieber nicht. Ich bin eher Nußfan." "Dies ist eine Akazie. Du kannst ja mal eine Frucht versuchen." Die Feldmaus nahm eine Frucht und schnupperte daran. "Ja doch, die riechen sehr gut. Ich koste mal." Die Frucht schmeckte tatsächlich ziemlich gut. Aber nicht zu vergleichen mit einer Haselnuß. Aber das behielt die Feldmaus für sich.

Als die kleine Feldmaus genug gesehen und die große Giraffe sie abgesetzt hatte, hörte sie wieder ein entferntes Brüllen. Das war aber ein komisches Brüllen. Es klang eher wie ein... wie ein... Läuten? Ach so! Die Feldmaus streckte alle Viere von sich. Ihr Wecker hatte geklingelt und sie hatte wohl leider nur von Afrika geträumt. "Och, ich möchte so gerne mal nach Afrika!" dachte sie sich. Aber nun mußte sie sich erstmal fertigmachen. Sie wollte den Schulbus nicht verpassen.


Was in der nächsten Geschichte passiert


Als sie in den Garten kamen, war kein Mucks zu hören.


34 Die kleine Feldmaus sucht den kleinen Frosch

Es war ein herrlicher, lauer Sommertag. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde spielten den ganzen Tag auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Fangen, Verstecken und rannten um die Wette.

Das war eine harte Nuß! Die kleine Feldmaus war mit Suchen dran. Die Freunde spielten nämlich Verstecken. Sie hatte den kleinen Igel schon gefunden. Und auch das kleine rosa Schweinchen war schnell entdeckt. Aber der kleine Frosch... wo mochte der wohl stecken? "Ich war jetzt schon überall. Ich kann ihn nirgends finden." ärgerte sich die Feldmaus. Die beiden Gefundenen langweilten sich schon. "Wann geht's denn endlich weiter?" moserte das Schweinchen. "Ich habe Durst." nörgelte der kleine Igel.

Doch Nörgeln und Mosern half ihnen jetzt nicht weiter. "Dann müssen wir halt zusammen suchen." Eigentlich war das nicht erlaubt. Nur derjenige, der dran war, durfte suchen. Aber dies war eine Notsituation. Der Frosch war weg! Da mußten alle mit ran! "Also ich suche jetzt da hinten beim Weiher. Und ich finde, ihr solltet mithelfen. Er scheint gar nicht mehr auf dem Feld zu sein." Die Feldmaus hatte recht. So lange hatten sie den Frosch noch nie gesucht.

"Ok. Dann gehe ich zum Bach und das Schweinchen sucht beim Maisfeld." "Nagut, wenn's unbedingt sein muß." Das Schweinchen war nicht begeistert. Es versteckte sich lieber anstelle selbst zu suchen. Und so teilten sie sich in die verschiedenen Richtungen auf. Nach einer halben Stunde wollten sie sich wieder hier auf dem Feld treffen. Mit oder ohne Frosch.

Die kleine Feldmaus schaute ihren Freunden hinterher. Das Schweinchen stapfte etwas mürrisch zum Maisfeld und der kleine Igel inspizierte bereits die Gegend beim Bach. Irgendwo mußte der Frosch doch sein. Als sie beim Weiher angekommen war, schaute sie gleich an den üblichen Verstecken nach. Hinter dem Baumstumpf... nein. Unter dem hängenden Zweig... nein. Bei den Booten... auch nicht. Das gibt es doch nicht!

Nach einer halben Stunde trafen sich die drei Freunde wieder beim Feld. "Ich habe ihn nicht gefunden." vermeldete das Schweinchen. Der kleine Igel breitete seine leeren Hände aus. Es war ihm anzusehen, daß er etwas enttäuscht war, den Frosch nicht gefunden zu haben. "Beim Weiher scheint er auch nicht zu sein. Hat einer eine Idee?" Nein. Keiner hatte eine Idee, wo der Frosch sein könnte.

Da kam der kleine Dachs auf dem Feldweg vorbei. "Hallo." "Hi Dachs." "Wieso ist der Frosch nicht bei Euch? Der turnt ganz alleine da hinten bei der Vogelscheuche run." "Du hast den Frosch gesehen?" "Ja, bei der Vogelscheuche. Wieso?" "Wir suchen den schon seit Ewigkeiten!" "Oh..! Habe ich den Frosch jetzt verraten?" "Och... das macht gar nichts. Danke Dachs!" Jetzt wurde auch das kleine rosa Schweinchen wieder etwas interessierter. Na, der Frosch würde was erleben!

Die drei gingen zur Vogelscheuche. Hier ist gar kein Versteck- und Suchgebiet mehr. Wie kommt der Frosch dazu, sich hier zu verstecken? Als sie die Vogelscheuche sahen, wunderten sich die Freunde. Der Frosch hockte gerade auf dem Hut der Vogelscheuche, um sich kurz darauf am linken Arm entlangzuhangeln. "He du da!" rief das kleine Schweinchen. Der Frosch erschrak und fiel fast runter. "Ho! Habt ihr mich erschreckt. Was guckt ihr denn so grimmig. Habe ich was angestellt?" "Du versteckst dich auf unerlaubtem Gebiet!" grummelte das Schweinchen den Frosch an.

"Ich verstecke mich doch gar nicht. Oder siehtst du mich etwa nicht?" Da hatte der Frosch recht. "Wieso versteckst du dich nicht? Beziehungsweise: was machst du HIER, wenn du dich nicht versteckst?" Jetzt waren die drei gespannt, was der Frosch zu seiner Verteidigung zu sagen hatte. "Ich..." stammelte der Frosch. "Ich klettere auf der Vogelscheuche herum." Das war alles, dachten sich die Freunde. "Ich hatte keine Lust mehr zum Versteckspielen und bin hierher zum Klettern gegangen." "Was? Du haust einfach so ab, ohne uns bescheid zu sagen?" echauffierte sich das Schweinchen.

"Tut mir leid." versuchte sich der Frosch zu entschuldigen. "Ich hätte euch das sagen müssen." "Ja, allerdings." das Schweinchen kam jetzt richtig in Fahrt. Aber eigentlich war es dem Frosch nicht wirklich böse. "Darf ich auch mal klettern?" fragte es. "Klar! Komm hoch!" Doch das Schweinchen konnte nicht so gut klettern. Es kam nicht auf die Vogelscheuche rauf. Also halfen die beiden anderen nach. Sie holten ein Brett und stellten es schräg an die Vogelscheuche. Das kleine rosa Schweinchen balancierte auf dem Brett hoch bis zur Schulter der Vogelscheuche. "Oh, was eine tolle Aussicht."

"Ja, toll, was? Das war lustig. Ich habe euch von hier oben nach mir suchen gesehen." "Na, hör mal!" regte sich jetzt der Igel auf. "Wir suchen dich und du spielst hier rum." "Tschuldigung." sagte der Frosch ganz kleinlaut und half dem Igel hoch auf den Vogelscheuchenhut. "Tatsächlich! Eine tolle Aussicht hier oben." "Laß mich auch mal hoch." meldete sich die kleine Feldmaus.

Und so saßen drei auf dem Hut und das Schweinchen auf der Schulter der Vogelscheuche und schauten in die Ferne. Und tatsächlich konnte man von hier die meisten Stellen sehen, an denen sie den Frosch gesucht hatten. Dieser schaute etwas bedröppelt. "Ach, macht doch nix." sagte die Feldmaus. "Ich kann mir gut vorstellen, wie du uns von hier oben vergnügt beim Suchen zugeschaut hast." Der Frosch nickte lieber nur, anstatt etwas zu sagen.

"Vielleicht können wir mal Suchen-mit-Anleitung spielen." "Was ist denn das?" fragte das Schweinchen. "Einer von uns setzt sich erhöht hin und leitet den Suchenden an, wo die beiden Versteckten stecken." "Und das soll gehen?" "Es geht alles!" sagte der Igel. "Es kommt nur auf die richtige Technik an!"


Was in der nächsten Geschichte passiert


Aber es gab auch andere Gefahren außer Löwen. "Aaaaah!"


33 Die kleine Feldmaus hört auf das kleine rosa Schweinchen

Es war ein herrlicher, lauer Frühlingstag. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde spielten den ganzen Tag auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Fangen, Verstecken und rannten um die Wette.

Als sie eine kurze Pause machten, erzählte das kleine Schweinchen von einer Torte und zeigte dabei zur Bushaltestelle. "Wirklich! Das müßt ihr mir glauben! Als ich vorhin an der Bushaltestelle entlang gekommen bin, stand da ein ganz großer Kuchen. Eine Torte könnte man sagen." "Quatsch! Es steht keine Torte im Bushaltestellenhäuschen." "Doch doch! Ganz bestimmt. Die sah super lecker aus. Mit vier Cremeschichten und ganz viel Splitter oben drauf." "Schweinchen," ermahnte der kleine Igel "du phantasierst!"

Doch das Schweinchen redete weiter auf die Freunde ein, wie toll die Torte aussehen würde und wie lecker die geduftet hätte und daß die da bestimmt immer noch stehen würde. "Wir müssen nochmal hin und nachschauen." "Wieso hast du die nicht gleich heute früh probiert?" hakte der kleine Frosch nach. "Das geht doch nicht. Die gehört mir doch nicht. Ich dachte, die wird bestimmt bald abgeholt von jemandem." Doch die Freunde blieben skeptisch. "Ne! Ich komme auf jeden Fall nicht mit." Der Frosch hatte sich entschieden.

Der kleine Igel sah schon interessiert aus. "Wie sieht die Torte denn genau aus?" "Also der Rand war ganz dunkel und hatte ganz viele Schokostückchen dran. Und oben drauf waren ganz viele Raspel. Und erst die Glasur..." Das Schweinchen kam ins Schwärmen. Es schien tatsächlich eine Torte beim Wartehäuschen gesehen zu haben. "Und du hast die wirklich nicht probiert? Das kann ich gar nicht glauben." wunderte sich der kleine Igel. "Du bist doch der erste, der sich an einer Torte vergreift! Ich glaube dir nicht. Ich bleibe hier."

"Mist!" dachte das kleine rosa Schweinchen. Aber die kleine Feldmaus kann ich bestimmt überzeugen. Die liebt süße Sachen. "Meine liebe Feldmaus," fing das Schweinchen wieder an. "bitte komm du mit mir zum Bushaltestellenhäuschen nach der Torte schauen." "Wieso ich? Ich glaube nicht, daß dort eine Torte steht. Wieso sollte dort eine Torte stehen?" Manno! Das Schweinchen wurde langsam ungeduldig. Wie konnte er die Feldmaus nur überzeugen, mit zur Haltestelle zu kommen.

"Wir könnten die Torte aufteilen. Ein, zwei Stücke für mich und der ganze Rest für dich." "Papperlapapp! Niemals bekomme ich mehr als die Hälfte, wenn du dabei bist." "Nagut, wir teilen genau in der Mitte. Wenn die Torte da jetzt noch steht, dann gehört die niemandem. Also können wir davon kosten... und vieleicht ganz aufessen, wenn sie schmeckt. Ich probiere auch zuerst, nur zur Sicherheit, falls sie vergiftet ist." Das fand die Feldmaus interessant. Eine vergiftete Torte. Vielleicht aus der Ritterzeit. "Ok! Ich gehe mit dir zur Bushaltestelle."

"Yeah!" freute sich das Schweinchen und nahm die Feldmaus an der Hand. Gemeinsam gingen sie zur Bushaltestelle. "Danke, daß du mitkommst. Die anderen haben mir nicht geglaubt." "Das ist ja auch schwer zu glauben! Eine Torte im Wartehäuschen. Soetwas habe ich ja noch nie gehört." Als sie beim Wartehäuschen angekommen waren, schaute die Feldmaus gleich auf die Sitzbank im Inneren. Kein Kuchen. Hinter dem Häuschen. Auch keine Torte. Jetzt wurde es aber mysteriös. "Wo ist die Torte?" fragte sie. Das Schweinchen lehnte lässig am Wartehäuschen und grinste bis über beide Ohren.

"Es gibt gar keine Torte." "WAAAAS? Du hast doch so auf uns alle eingeredet. Was sollte das?" "April! April!" Oh nein! Das hatte die Feldmaus ja ganz vergessen. Heute war der erste April. Und das Schweinchen hatte sie hereingelegt. Sie mußte grinsen. Eine Torte im Wartehäuschen. So ein Quatsch. "Schweinchen, du bist eine Sumpfnudel!" Aber das grinste immer noch bis über beide Ohren. Normalerweise legen die Freunde nämlich immer das Schweinchen herein. Es ist so gutgläubig. Aber heute hatte es die Freunde hereingelegt. Naja... zumindest die Feldmaus. "Ich habe eine Idee!" rief da die Feldmaus laut.

Nach einer Weile kamen sie wieder bei den ungläubigen Freunden an. Die staunten nicht schlecht. Die Feldmaus und das Schweinchen hatten ganz kuchenverschmierte Mäulchen und in den Pfoten hielten sie... genau: zwei dicke Tortenstücke. "He! Steht da wirklich eine Torte im Wartehäuschen?" "Klaro!" sagte die Feldmaus und grinste breit. "Lecker!" Und der Igel und der Frosch sausten zur Bushaltestelle.

Kurz darauf kamen sie zurück. Keine Kuchenstücke. Keine verschmierten Mäulchen. "Was ist los?" fragte das kleine rosa Schweinchen. "Wo sind eure Kuchen?" "Da war kein Kuchen. Jemand muß ihn weggenommen haben. Oder ihr habt ihn aufgegessen und uns nichts davon gesagt." Die Feldmaus und das Schweinchen kamen aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. "Waaas?" fragte der Frosch. "April! April!" riefen die beiden. "WAS? Ihr habt uns hereingelegt?" "Klaro! Das Schweinchen hat mich hereingelegt und jetzt haben wir euch hereingelegt." "Aber eure Kuchenstücke... wo hattet ihr die her?" "Die haben wir uns in der Konditorei geholt." "Oh! Ihr gemeinen! Aber wir sind ja selber Schuld. Kuchen stehen nicht an Wartehäuschen, oder?"

"Jep!" rief das kleine rosa Schweinchen fröhlich und machte einen Purzelbaum.


Was in der nächsten Geschichte passiert


Der kleine Frosch... wo mochte der wohl stecken?


32 Die kleine Feldmaus streitet

Es war ein herrlicher, lauer Sommertag. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde spielten den ganzen Tag auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Fangen, Verstecken und rannten um die Wette.

"Du Knalltüte!" "Du Klebebild!" "Selber Klebebild!" "Aber mit Erdbeergeschmack!" "Erdbeere? Du? Eher saure Drops Geschmack!" "Ha! Und du hast gar keinen Geschmack!" "Immer noch besser als saure Drops!" So ging das jetzt schon seit einer halben Stunde.

"Keksfresser!" "Saftkleckerer!" "Honigtropfer!" "Ich esse gar keinen Honig!" "Genau deswegen!" "Quatsch, du Heulsuse!" "HÄ? Ich bin doch keine Heulsuse!" "Und letzte Woche?" "Spinner! Das war eine kleine Eintagsfliege. Die ist in mein Auge geraten!" "Das kann ja jeder behaupten!" "Weil's stimmt!" "Bä bä bä bä bäää!" "Selber Bä!"

Beim Fangen hatte der kleine Frosch die kleine Feldmaus an der Schwanzspitze berührt. Ganz kurz bevor die Feldmaus den Koppelpfeiler erreicht hatte, was ihr sicheres Zuhause gewesen wäre. Das war zumindest die Version vom kleinen Frosch. Die kleine Feldmaus behauptete aber, daß der Frosch sie gar nicht berührt hatte. Der kleine Igel und das kleine rosa Schweinchen hatten es nicht geschafft, die beiden zu besänftigen. Im Gegenteil: der Streit wurde immer schlimmer.

Seit über 30 Minuten warfen sich die beiden Streithähne nun schon Schimpfwörter um die Ohren. Und sie konnten froh sein, daß die beiden nichts vom Kloppen hielten. Leider war die Argumentationsrunde nur sehr kurz gewesen. Ungefähr so: "Ja!" "Nein!" "Doch!" "Niemals!" "Aber sicher!" "So'n Quatsch!" Und so weiter und so fort. Wie sollte man auch beweisen, ob die Schwanzspitze nun berührt worden war oder nicht. Das ging ja gar nicht. Heute würde der Streit wohl nicht beizulegen sein. Und so nahm der Igel den Frosch und das Schweinchen die Feldmaus an die Hand und zogen sie jeweils nach Hause.

Am nächsten Tag trafen sie sich wieder an der Koppel. Die kleine Feldmaus war schon da und stand demonstrativ mit einer Hand an den Pfeiler gelehnt. Genau diesen Pfeiler soll sie angeblich nicht mehr rechtzeitig erreicht haben - laut Frosch. Das Schweinchen war ganz erstaunt, als der Igel zur Feldmaus rief: "Jetzt tu nicht so! Du warst nicht am Pfeiler! Der Frosch hat dich gekriegt!" Der Igel nimmt Partei für den Frosch? Das geht ja gar nicht.

Also rief das Schweinchen zurück: "MEINE Feldmaus ist viel schneller, als DEIN Frosch überhaupt hopsen kann! NIEMALS hat der Frosch die Schwanzspitze MEINER Feldmaus erwischt!" Tja. Jetzt waren also auch die Schlichter des Streits abhanden gekommen. Und es war kein Ende des Streits in Sicht. "Du Schokoladenkeks ohne Schokolade!" "Du Stapelgabler ohne Gabel!" "Du Wetterfrosch ohne Leiter!" "Du Rennmaus ohne Übung!" Puh, war das anstrengend.

"Wenn du meine Schwanzspitze berührt hättest, dann hätte ich das doch merken müssen!" "Was weiß ich, was du noch merkst." "Hallo? Frag den Igel. Der hat das Schweinchen vorher auch nicht mehr erwischt." "WAS? Natürlich habe ich das Schweinchen erwischt!" "Du hast mich nicht erwischt!" "Aber klaro! Du hast noch gekichert, weil du so kitzlig bist." "Ich hab nicht gekichert. Ich kichere NIE beim Fangen!" "Aber sicher!" "Nein!" "Doch!" "Niemals!" "Dohoch!" Jetzt kamen der Igel und das Schweinchen so richtig in Fahrt.

"Ballonknaller!" "Rosa Bonbon!" "Spitzhacke!" "Kurzfüßer!" "Winterschläfer!" "Kriechtapser!"

Mittlerweile schauten sich die kleine Feldmaus und der kleine Frosch belustigt an. Das kleine rosa Schweinchen wurde immer so witzig rot im Gesicht, wenn es sich aufregt. Und dem kleinen Igel standen immer die Stacheln ab, was zum Schießen aussah. Die beiden fingen an zu kichern und fielen sich in die Arme, als sie lauthals losprusten mußten. "HA HA HA HA HA!"

Die beiden Streitochsen waren ganz irritiert, wer da mit Gelächter ihre hochkonzentrierte Schimpfwortsuche störte. "He! Hört auf, zu lachen. Das ist nicht witzig!" "Genau! Schimpfwörter wollen wohl überlegt sein. Streiten ist harte Arbeit." Die beiden ahnten wohl schon, worauf das hinauslaufen würde. Das kleine rosa Schweinchen verlor seine rötliche Tönung im Gesicht und hatte schon ein leichtes Grinsen aufgesetzt. Und der kleine Igel legte seine Stacheln an und verdrehte die Augen, als er merkte, was gerade passierte.

"Kurzfüßer?" wunderte sich die kleine Feldmaus. "Was denn?" sagte das Schweinchen. "Der Igel hat doch Recht. Ich BIN ein Kurzfüßer!" Und das Schweinchen mußte über sich selbst lachen.

"Was meint ihr: vertragen wir uns alle wieder?" fragte der kleine Frosch. "Aber nur, wenn wir die letzte Runde Fangen wiederholen. Dann wissen wir hoffentlich, ob du mich kriegst oder nicht." "Okay! Abgemacht. Ich zähle bis fünf." Und der Frosch fing an zu zählen und die Freunde liefen weg.

Als die kleine Feldmaus am Abendbrottisch saß, war sie froh, daß der Streit überstanden war. Sie hatten den ganzen restlichen Nachmittag Fangen gespielt. In der Wiederholungsrunde hatte der Frosch die Feldmaus nicht erwischt. Aber vielleicht hatte er gestern ja doch ihre Schwanzspitze berührt. Wer kann das heute noch sagen. Gott sei Dank hatten sie sich wieder alle vertragen. Dann aß sie weiter vom leckeren Leberknödelauflauf.


Was in der nächsten Geschichte passiert


Der kleine Igel sah schon interessiert aus. "Wie sieht die Torte denn genau aus?"


Montag, 8. September 2014

31 Die kleine Feldmaus nimmt eine Abkürzung

Es war ein herrlicher, lauer Sommertag. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde spielten den ganzen Tag auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Fangen, Verstecken und rannten um die Wette.

Als sie gegen Abend nach Hause gingen, verabschiedeten sich die Freunde und die kleine Feldmaus ging allein Richtung Bach. Dort war eine neue Brücke. Die wollte sie sich mal anschauen. Als sie am Bach angekommen war, sah sie die nigel-nagel-neue Brücke. Die sah toll aus. Frisches Holz, noch ganz hell, breite Geländer. Sie schien sehr stabil zu sein. Vielleicht konnte man auf dieser neuen Brücke hüpfen, ohne Gefahr zu laufen, gleich abzustürzen. Aber das wollte sie lieber nicht ausprobieren.

Auf der anderen Bachseite waren neue Schilder aufgestellt worden. Auf dem unteren stand: "Wassermühle 30 Minuten" Es zeigte nach rechts, bachaufwärts. Auf dem oberen Stand: "Biberbau 5 Minuten" Es zeigte nach links, bachabwärts. "Was? Nur fünf Minuten?" wunderte sich die Feldmaus. "Das wäre ja eine enorme Abkürzung gegenüber dem üblichen Weg." Sie war etwas unsicher, ob das stimmen konnte. Aber das Schild war nagelneu und doch sicherlich nicht von einem Anfänger hingestellt worden.

Also machte sie sich auf den Weg, die Abkürzung auszuprobieren. Zunächst war alles ok. An dieser Stelle hatten sie schon gespielt. Sie erkannte auch einige Bäume und Sträucher wieder. Doch dann begab sie sich auf Neuland. Nicht nur die Brücke war neu, sondern auch einige Wege am Waldrand. "Kein Problem. Im Notfall kann ich ja immer noch zurückgehen." dachte sich die kleine Feldmaus und ging weiter.

Nach einigen Kreuzungen und Schildern, auf denen immer noch "Biberbau 5 Minuten" stand, wurde sie ungedultig. "Das kann doch gar nicht sein!" sagte sie laut. "Das ist jetzt schon das vierte Schild mit derselben Angabe: 5 Minuten. Das kann doch gar nicht sein. Außerdem bin ich bestimmt schon 12 Minuten unterwegs. Und ich bin nicht sehr langsam gegangen." Sie schaute nach oben. Die Sonne stand noch hoch. Es wurde noch lange nicht dunkel.

Weitergehen oder umdrehen? Das war hier die Frage! Die kleine Feldmaus entschied sich für Weitergehen. "Weit kann es ja jetzt nicht mehr sein. Da dauert es zurück bestimmt länger." Langsam bekam sie Durst. Ihre Wasserflasche hatte sie schon beim Spielen leergetrunken. Und der Bach ist jetzt nicht mehr in der Nähe. Dann sah sie einen großen Holzhaufen. Sie wollte sich schon freuen, daß sie den Biberbau erreicht hatte, da bemerkte sie, daß der Haufen gar nicht im Wasser lag. Sie hatte den Bach auch noch gar nicht wieder erreicht. "Mist!" ärgerte sie sich laut.

"Wenn ich einmal groß bin, dann erfinde ich ein Navi für Feldmäuse!" rief die kleine Feldmaus und stemmte die Fäuste in ihre Seiten. Als sie so dastand, wütend über sich selbst, alleine einen neuen Weg ausprobiert zu haben, da hörte sie ein ganz leises Plätschern. Es kam von schräg links vorne. Ja klar! Da mußte der Bach sein. Dann war der Biberbau bestimmt nicht mehr weit. Und sie stapfte wieder los.

Aber sie verließ dafür den Weg. Denn der ging weiter geradeaus. Eigentlich komisch. Wenn der Biberbau vorne links ist, wieso geht der Weg dann weiter geradeaus. "Das war doch niemals eine Abkürzung!" echauffierte sich die kleine Feldmaus. "Und 5 Minuten waren das auch nicht!" rief sie laut in den Wald zum Weg. "Ruhe!" kam aus dem Wald zurück. "Tschuldigung." rief sie etwas leiser wieder in den Wald und ging schnell weiter.

Das Plätschern wurde lauter und jetzt konnte sie wieder einen Holzhaufen sehen. Der hatte schon eher Ähnlichkeit mit dem Biberbau. Und tatsächlich. Als sie angekommen war, sah sie Familie Biber, die sich auf ihrem Bau sonnte. Da war auch die alte Brücke. Und jetzt war es nicht mehr weit bis nach Hause zurück. "Da brat mir einer nen Mais!" sagte die kleine Feldmaus. "Niemals nie nicht war das eine Abkürzung! Die Schilder müssen korrigiert werden"

Am nächsten Tag erzählte sie ihren Freunden von ihrem unfreiwllligen Ausflug und sie gingen gemeinsam zur neuen Brücke. "Na wartet ihr Schilder!" rief das kleine rosa Schweinchen und reckte seine Faust hinauf zu dem neuen Schild bei der neuen Brücke. Sie hatten Stifte und einen kleinen Klapphocker mitgenommen, damit sie auch die hohen Schilder korrigieren konnten.

Sie gingen los. Die kleine Feldmaus kannte den Weg ja bereits und warnte die Freunde schon lange vor dem nächsten Schild: "Jetzt gibt es wieder was zu tun!". Bei jedem Schild stellten sie den Hocker hin und einer stieg darauf mit einem dicken schwarzen Stift in der Hand. Die "5" wurde durchgestrichen und ein Fragezeichen anstelle dessen hingeschrieben. Vermutlich war das jetzt der erste Wald, in dem Schilder mit Fragezeichen standen. Genaugenommen wußten sie nicht einmal, ob die Richtung überhaupt stimmte. Das letzte Schild hatte ja nicht direkt zum Biberbau gezeigt.

Die Freunde überlegten. Vielleicht sollten sie schauen, ob die Schilder überhaupt zum Biberbau führten, wenn sie den Weg nicht verließen. Und sie folgten auch dem letzten Schild an der Stelle, wo die Feldmaus am Tag zuvor den Weg verlassen hatte. Es dauerte noch eine weitere viertelstunde. Dann waren sie an einem Biberbau angekommen. Es war aber nicht der Biberbau in ihrem Bach. Sondern ein anderer, scheinbar neuer Biberbau. Die Biber winkten freundlich und arbeiteten weiter an ihrem Bau.

"Das gibts ja nicht!" wunderte sich der kleine Frosch. "Es gibt einen neuen Biberbau und das Schild ist richtig." "Naja, die Richtung stimmt. Die Zeitangeben sind falsch." korrigierte der kleine Igel. Also hatten sie alles richtig gemacht. Fast alles. Denn eigentlich konnten sie auch alle Fragezeichen wegmachen und überall ordentliche Zeitangaben hinschreiben.

Am nächsten Tag einigten sich die Freunde auf folgende Zeitangaben: "30", "25", "20", "15". Sie zogen wieder los. Mittlerweile kannten sie die neue Brücke und den neuen Weg wie ihre eigene Westentasche. Sie schrieben auf alle vier Schilder die richtigen Zeitangaben und schauten beim neuen Biberbau den Bibern beim Arbeiten zu. "Wusch! Zack! Kracks!" Das Geräusch kannten sie alle nur zu gut.


Was in der nächsten Geschichte passiert


"MEINE Feldmaus ist viel schneller, als DEIN Frosch überhaupt hopsen kann!"


30 Die kleine Feldmaus geht einkaufen

Es war ein herrlicher, lauer Sommertag. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde spielten den ganzen Tag auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Fangen, Verstecken und rannten um die Wette.

Aber die kleine Feldmaus mußte heute etwas früher nach Hause zurück, weil sie noch zum Einkaufen gehen wollte. Sie hatte einen Einkaufszettel. Auf dem standen alle Dinge, die sie einkaufen sollte. Unter anderem Milch, Mehl, Rosinen zweimal, Nudeln sogar drei Packungen und viele andere Dinge.

Als sie beim Laden angekommen war, standen gar keine Einkaufskörbe mehr beim Eingang. "Na toll, jetzt muß ich alles tragen." dachte Sie und holte einen Tragebeutel aus ihrem Rucksack. Dann ging sie durch die Gänge des Supermarktes und steckte die Lebensmittel von ihrem Zettel in ihren Beutel. Bald war der Beutel voll und sie mußte einen weiteren Beutel aus ihrem Rucksack nehmen.

In dem Moment sah sie den kleinen Frosch. "Hallo!" "Hallo Feldmaus. Du kaufst ja auch hier ein." "Ja. Meine Mutti und ich wollen nachher noch backen. Und da fehlen noch wichtige Zutaten." "Da vorne in der Spielzeugabteilung gibt es diese gelben Flitzer heute für den halben Preis." "Echt? Da muß ich gleich mal schauen." Und die kleine Feldmaus rannte in die Spielzeugabteilung zum Regal mit den Rennautos. Dabei vergaß sie ihren vollen Beutel. Er stand noch vor dem Milchtütenstapel.

Sie schaute sich die verschiedenen Autos an. Es gab welche mit großen Hinterrädern, welche in gelb, rot und blau. Und einige hatten einen großen Spoiler am Heck. Den roten mit der Feuerlinie auf der Motorhaube fand sie am besten. Und die kosteten tatsächlich nur halb so viel wie sonst. Sie hatte ja schon einen blauen Renner. Der war aber so alt, den gab es schon gar nicht mehr zu kaufen. Sie rechnete nach.

Sie hatte etwas mehr, als der rote Flitzer kostete. Also konnte sie ihn kaufen. Und das machte die kleine Feldmaus dann auch. Sie ging zur Kasse und legte das rote Rennauto auf das Band. Als sie an der Reihe war, machte die Kasse "Piep", und der Preis wurde angezeigt. Sie bezahlte und packte den Flitzer gleich aus. Die Verpackung schmiß sie in den Mülleimer am Ausgang. Dann ging sie nach Hause. Unterwegs spielte sie mit dem neuen Spielzeug. Auf dem Feldweg sauste er besonders schnell. Zumindest auf den platt getreteten Stellen. Auf den sandigen Stellen drehten immer die Räder durch.

Unterwegs winkte sie dem kleinen Biberjungen zu, der gerade dabei war, ein paar größere Holzäste zu zerkleinern. Als sie zu Hause angekommen war, kam ihr die Mutti entgegen. Sie wollte ihr gerade Hallo sagen, da wurden ihre Augen ganz groß und ihr Mund blieb offen stehen. "Was schaust du denn so erschrocken?" fragte ihre Mutti. Die kleine Feldmaus traute sich gar nicht, ihr zu sagen, was passiert war.

"Ich..." stammelte sie. "Ich habe die Einkaufssachen im Beutel in der Kaufhalle stehen gelassen." "Ach das macht doch nichts. Dann gehst du schnell nochmal hin und holst die Sachen." "Aber..." stammelte sie weiter. "Aber ich habe die noch gar nicht bezahlt. Ich habe mir von dem Geld diesen Flitzer gekauft." Jetzt kullerte ihr eine kleine Träne herab. "Du hast dir diesen super schicken roten Flitzer gekauft? Aber die Dinge von der Einkaufsliste hast du gar nicht mitgenommen?"

"Die habe ich völlig vergessen und das Geld hätte auch gar nicht gereicht." Jetzt wurde das Gesicht der Mutti ein bißchen ärgerlich. "Ja, und was machen wir da jetzt?" "Ich weiß es nicht." schniefte die kleine Feldmaus und stellte den Flitzer lieber auf den Schuhschrank. "Ach, Mäuschen!" sagte ihre Mutti. "Dann gehst du jetzt nochmal in die Kaufhalle, gibst deinen super schicken roten Flitzer wieder zurück und kaufst dann die Dinge von dem Einkaufszettel. Ganz einfach." Der kleinen Feldmaus blieb wohl nichts anderes übrig, wenn sie nicht ganz dollen Ärger bekommen wollte.

Also ging sie wieder zur Kaufhalle und dort gleich an die Information. "Ich habe hier vorhin dieses Rennauto gekauft. Aber meine Mutti hat es mir verboten. Ich möchte es gerne zurückgeben." "Kein Problem. Ich brauche den Kassenbon und die Verpackung." "Die Verpackung habe ich nicht mehr. Ich habe den gleich ausgepackt." "Dann können wir den Artikel aber nicht zurücknehmen."

Der kleine Feldmaus lief wieder eine kleine Träne über die Wange. Jetzt hatte sie den tollen Flitzer, konnte ihn aber nicht zurückgeben. Und die Einkäufe konnte sie so auch nicht bezahlen und überhaupt. Das war ein blöder Tag! Die kleine Feldmaus setzte sich auf die Bank beim Ausgang. Sie war tief geknickt, schaute nach unten und mußte sich ganz fest anstrengen, nicht zu weinen. Da tippte ihr jemand auf die Schulter.

Neben ihr auf der Bank saß ihre Mutti. "Mutti, wo kommst du denn her?" "Ich bin mit dem Fahrrad gefahren und habe dich eine Straße weiter überholt." "Ich kann den Flitzer nicht zurückgeben, weil ich die Verpackung nicht mehr habe." Wieder eine kleine Träne. "Meine kleine Feldmaus." sagte ihre Mutti jetzt sehr ernst. "Versprichst du mir, daß du dir nicht wieder etwas kaufst, wenn du nicht das Geld dafür hast? Und daß du nicht wieder die Einkaufssachen in der Kaufhalle stehen läßt?" Erst jetzt bemerkte die kleine Feldmaus, daß ihr Beutel mit den Einkaufssachen bei der Mutti neben der Bank stand. Und ein zweiter Beutel stand daneben. "Ja, verspreche ich." schniefte die Feldmaus und drückte sich an ihre Mutti.

"Ich habe gesehen, die Flitzer kosten heute nur die Hälfte!" "Ja, ich weiß, Mami." "Und der rote mit der Feuerlinie sieht so super schick aus." "Ja, weiß ich auch, Mutti. Sonst hätte ich den ja nicht haben wollen." "Was wäre, wenn ich den so toll fände, daß wir den behalten?" "Echt jetzt?" "Ja! 'Echt jetzt'!" "Juhu!" Und die kleine Feldmaus umarmte ihre Mutti ganz doll. "Ich bezahle auch einen Teil von meinem nächsten Taschengeld."

"Oh, keine Sorge! Die nächsten drei Wochen bleibt dein Taschengeld in meiner Geldbörse. Aber dafür haben wir beide jetzt einen super schicken roten Flitzer!" Und ihre Mutti hielt den Flitzer in die Höhe und strahlte über das ganze Gesicht. Die kleine Feldmaus schaute etwas verduzt und zog den Arm der Mutti wieder nach unten. "Mutti! Das ist peinlich!" Und dann radelten sie wieder nach Hause zurück. Die Einkäufe waren im Körbchen auf dem Gepäckträger und die kleine Feldmaus saß vorne auf dem Lenker und kreischte bei jeder Kurve.


Was in der nächsten Geschichte passiert


"Wenn ich einmal groß bin, dann erfinde ich ein Navi für Feldmäuse!"


29 Die kleine Feldmaus geht auf eine Geburtstagsfeier

Es war ein herrlicher, lauer Sommertag. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde spielten bis zum Nachmittag auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Fangen, Verstecken und rannten um die Wette.

Für drei Uhr waren sie alle eingeladen. Auf die Geburtstagsfeier vom kleinen Waschbären. Also gingen sie pünktlich gemeinsam dorthin. Alle hatten ein Geschenk besorgt. Außer das kleine rosa Schweinchen. Es wollte als Überraschung ein paar Zaubertricks vorführen. Der kleine Frosch hatte einen Gutschein für einmal Eisessen beim Italiener am Marktplatz. Der kleine Igel hatte eine Packung Luftballons und die kleine Feldmaus ein Buch mit leeren Seiten und einen Stift. So konnte der kleine Waschbär seine eigenen Geschichten aufschreiben. Oder Liedtexte reimen.

Als sie angekommen waren, hörten sie draußen schon Geräusche der Feierlichkeiten. Sie klopften an der Haustür und wurden vom Geburtstagskind empfangen. "Hallo, schön daß ihr gekommen seid." "Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!" Und die Gäste überreichten ihre Geschenke. Nur das Schweinchen nicht. "Ich möchte nachher etwas Zaubern. Das ist mein Geschenk. Ist das ok?" "Das ist super!" sagte der kleine Waschbär. "Da freuen sich bestimmt alle meine Gäste." Und dann gingen sie in das Wohnzimmer, wo bereits die anderen am Kuchentisch warteten.

Auf dem Tisch standen ein Kirschkuchen, ein Sandkuchen und ein Teller mit Plätzchen. Alle hatten Becher mit Kakao oder Limonade, je nachdem was wer mochte. Jetzt nahmen sich alle Kuchen oder Plätzchen und aßen und tranken. Der kleine Waschbär hatte Musik angestellt. Und zwar "The Summerfreshies" - natürlich! In der Band spielte er nämlich die Gitarre.

Nach einer Weile hatten sie fertig gegessen, nur das kleine rosa Schweinchen war noch am Mampfen. Dann gingen sie nach draußen und schmückten mit den Ballons den Garten. Erst aufpusten, dann hinhängen. So entstand eine lange, bunte Girlande im Garten des kleine Waschbären. "Lämpchen wären schön." sagte das kleine rosa Schweinchen und biß von einem Plätzchen ab, das es sich mit nach draußen genommen hatte. "Kein Problem! Wir haben eine Lichterkette im Schuppen." Wenige Augenblicke später kam der kleine Waschbär mit einer extra langen, ganz bunten Lichterkette wieder. Diese brachten sie bei den Ballons an den Zweigen zwischen den Bäumen an. Momentan war es noch zu hell, aber am Abend mußte es toll aussehen. Bald würden sie es wissen.

Nachdem sie ein bißchen gespielt hatten, rief jemand: "Meine Damen und Herren, bitte begeben sie sich auf ihre Plätze. In wenigen Minuten beginnt die phantastische, unbeschreibliche und phänomenale Zaubershow des kleine rosa Schweinchens." Die Geburtstagsgäste sausten ganz aufgeregt zu den Stühlen, die aufgestellt worden waren und mußten erstmal lachen, als sie das Schweinchen mit Zylinder auf dem Kopf und in einer Art Frack am Sandkasten stehen sahen. "Sehr geehrte Damen und Herren, lachen sie nicht zu früh. Bei dieser Show wird ihnen die Kinnlade runterklappen! Kommen sie näher. Setzen sie sich auch hier vorne hin. Ja genau. Gerne auch auf den Sandkastenrand." Das kleine rosa Schweinchen hatte alles im Griff.

Abgesehen von dem Knoten in der Schnur. Er wollte einfach nicht verschwinden. Der Zaubertrick sah so einfach aus, soweit das Publikum das beurteilen konnte. "Ta Taaaa!" rief das Schweinchen schon zum dritten Mal und zog fest an den Enden der Schnur. Jetzt sollte der Knoten eigentlich verschwinden, blieb aber an Ort und Stelle. Die ersten mußten kichern. Doch dann trauten die Zuchauer ihren Augen nicht. Aus dem Knoten kam nach unten ein drittes Schnurende heraus. Das Schweinchen grinste bis über beide Ohren. "Wo kommt das denn jetzt her?" wurde gerufen. "Magie!" antwortete das Schweinchen. Und ohrenbetäubender Beifall setzte ein. Stolz zog das Schweinchen seinen Zylinder vor den Zuschauern und bedankte sich.

Nach einigen weiteren Zaubertricks und nicht minder lautem Beifall klingelte es an der Tür. Der kleine Waschbär rannte hin und öffnete einem Postboten. "Ich habe hier ein RIESEN Paket. Wo soll das hin?" "Einfach hier durch und gleich in den Garten." sagte der Waschbär und winkte den Postboten durch den Flur in den Garten hinaus. Er machte das mit beiden Händen. Wie ein Fluglotse. Die Gäste staunten nicht schlecht. "Boah." "Hä?" "Was ist denn das?" riefen sie wild durcheinander. Sie konnten gar nicht glauben, daß es sooo große Geschenke gibt. "Das ist eine Gästeüberraschung." sagte der kleine Waschbär. Fragezeichen auf den Gesichtern der Gäste.

"Morgen ist es ein Wassertank mit automatischem Rasensprenkler. Aber heute ist es eine Gästeüberraschung!" Die Anwesenden verstanden immer noch nicht so recht. Also schauten sie erstmal zu, was der kleine Waschbär da auspackte. Und es war tatsächlich ein riesiger Wassertank. Und an den Wassertank schloss der Waschbär einen Rasensprenkler an. "Und wo ist jetzt die Gästeüberraschung?" fragte das kleine rosa Schweinchen etwas ungeduldig. "Paßt auf." Der kleine Waschbär verschwand hinter dem Wassertank und schien an irgendetwas zu drehen.

In dem Moment fing es an, zu regnen. "Oh, der schöne Nachmittag." sagte das Schweinchen und guckte in den tief dunkelblauen Himmel hoch. Das dachten zuerst auch die anderen Gäste. Aber dann begriffen alle. Die Wasserparty hatte begonnen. Alle fingen an, zu jubeln und zu jauchzen. "Juhu. Wasserschlacht." Der kleine Waschbär kam wieder hinter dem Wassertank hervor mit einer vollen Kiste kleiner, mit Wasser gefüllter Ballons. "Die Schlacht im Waschbärgarten wird noch in hundert Jahren ein geschichtliches Highlight sein!" rief die kleine Feldmaus und zielte auf den kleinen Igel, traf aber den kleinen Frosch mitten auf dem Bauch. "Heee!" Und die Retourkutsche kam promt. Doch die kleine Feldmaus duckte sich geschickt und der Dachs wurde getroffen. Wenige Minuten später waren alle klitschnaß und es mußte Wasserbombennachschub geholt werden.

Eine Weile später, die Wasserbomben waren alle aufgebraucht, drehte Herr Waschbär den Sprenkler wieder aus und brachte einen großen Stapel Handtücher. Alle trockneten sich ab und kuschelten sich in die Handtücher. Dann gingen sie in das Wohnzimmer. Dort schauten sie zusammen einen Kinderfilm. Nach der Wasserschlacht eine gute Idee. Alle waren ganz fertig und mußten sich erstmal hinsetzen und viel trinken. In dem Trickfilm ging es um eine kleine Maus, die mit ihren Freunden lauter lustige und kuriose Dinge erlebte. Die Geburtstagsgäste mußten ständig lachen.

Als der Film zuende war, wurde es draußen schon schummrig. "Toll! Dann können wir ja jetzt die Lichterkette anmachen." rief das kleine rosa Schweinchen. Die Kinder rannten in den Garten und das Schweinchen durfte auf den Schalter drücken. Der ganze Garten erstrahlte in bunten Farben. Auch die Ballons an den Bäumen leuchteten etwas. Auf dem Partytisch im Garten waren Würstchen, Brötchen, Häppchen und Ketchup und Majo bereitgestellt. Alle setzten sich auf die Bänke am Tisch und fingen an, die Teller zu füllen. "Hmm. Dus us löckr." murmelte das Schweinchen mit vollem Mund.

Als es schon spät am Abend war, wurden die Kinder von ihren Eltern abgeholt. Alle waren ganz müde und wollten nach Hause ins Bett. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde verabredeten sich für Sonntag Nachmittag beim Feld. Dann gingen auch sie nach Hause. Das war eine tolle Geburtstagsfeier dachte sie. Und als sie im Bett lag, schlief sie ganz schnell ein.


Was in der nächsten Geschichte passiert


Und die kleine Feldmaus rannte in die Spielzeugabteilung zum Regal mit den Rennautos.