Titelbild

Titelbild
Dieses Titelbild ist von meiner Schwägerin - vielen Dank dafür!

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Die kleine Feldmaus feiert Weihnachten

---------------
Hinweis:
Diese neue Feldmaus-Geschichte ist nicht von mir, sondern von einem großen Fan, der diese Geschichte angelehnt an meine Geschichten geschrieben hat.
Vielen Dank, Sebastian, dass ich Deine großartige Geschichte auf meinem Kleine-Feldmaus-Blog veröffentlichen darf.
Und nun, liebe Feldmaus-Fans, viel Spaß mit Sebastians Geschichte!
---------------

Es war ein herrlicher, lauer Wintertag. Vormittags waren die Freunde auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Fangen, Verstecken und rannten um die Wette.

Ab dem Mittagessen war dann aber für alle der Weg nach Hause angesagt, denn heute war nicht irgendein Tag, sondern Heiligabend. Wie es sich für die Freunde gehörte, waren alle natürlich ganz aufgeregt als sie sich verabschiedeten. Das kleine Schweinchen war sogar so aufgeregt, dass es ihm ein bisschen grünlich ums Mäulchen war. "Was ist denn los, Schweinchen?" wollte die kleine Feldmaus wissen. "Naja, ich habe mich schon so lange auf Weihnachten gefreut, jetzt ist es endlich da, und ich bin so aufgeregt. Und ich muss noch Geschenke einpacken und eine Karte für meine Mama basteln" erzählte es ganz schnell und hibbelig.

"Ganz ruhig, Schweinchen" versuchte der kleine Frosch es zu beruhigen. "Du schaffst das sicher alles noch rechtzeitig." "Aber, aber, wenn das mit dem Basteln nicht klappt und das Geschenk..." setzte das Schweinchen wieder an, "Schweeeinchen..." sagte der kleine Igel mahnend, "Ja, in Ordnung, ihr habt ja recht" gab das kleine Schweinchen zu. "Ich mach mich dann mal besser auf den Weg. Tschühüß." Und so setzte es sich geschwind in Bewegung und ging nach Hause.

"Unser Schweinchen..." lächelte die kleine Feldmaus, "immer so hibbelig." "Hmm", begann der kleine Frosch, "aber recht hat es, ich sollte mich jetzt auch mal beeilen. Sehen wir uns morgen?" "Aber sicher", freute sich der Igel, "schließlich ist doch unser großes Essen geplant". "Stimmt", freute sich der kleine Frosch. "Dann bis morgen". Und weg war er.

"Also, lieber Igel", meinte die kleine Feldmaus, "dann gehen wir jetzt am besten auch zu unseren Familien. Habt ein schönes Fest." "Ihr auch." Die beiden urmarmten sich und gingen dann jeweils los.

Vom Feld zum Feldmausbau dauerte es immer nur 5 Minuten zu Fuß. Die Feldmaus stapfte mit ihren warmen Stiefeln durch den Schnee, der so herrlich in der Sonne glitzerte. Was für ein schöner Tag, und so passend für ein gemütliches Weihnachtsfest, dachte sie sich. Sie hatte ihr Geschenk für ihre Mami bereits eingepackt und damit keine Hektik zu befürchten. Dieses Mal gab es unter anderem warme Ohrpüschel, damit ihre Mami und sie immer schön spazieren gehen konnten. Auch die Karte hatte die Feldmaus schon geschrieben. 'Für meine liebste Mami. Ich wünsche dir frohe Weihnachten und weiterhin eine so liebe Tochter ;-) Ich hab dich lieb.' Der kleinen Feldmaus gefiel ihr Text. Und sie war ja auch eine brave Tochter.

Daheim angekommen sah sie, wie ihre Mami noch die letzten kleinen Sternchen an den prächtigen Weihnachtsbaum, der mitten im Wohnzimmer stand, anbrachte. 'Die Mami, fleißig wie immer', dachte sich die Feldmaus, und ihr wurde ganz warm ums Herz. "Hallo, liebe Feldmaus, schön, dass du wieder da bist. Hilfst du mir ein bisschen? Dann kann ich mich um die Leberknödelsuppe kümmern." "Na klar, Mami." Die Feldmaus war sofort zur Stelle, denn wer mochte schließlich keine Leberknödelsuppe?

Nach einem ausgiebigen Mahl setzten sich die kleine Feldmaus und ihre Mami auf das Sofa und begannen, Familienfotos von früher anzuschauen. "Guck mal, wie klein wir da alle waren, Mami." Sie sahen sich gerade ein Foto mit der Feldmaus und ihren Freunden beim Spielen im Sandkasten an. "Ja, der kleine Frosch war ja fast noch eine Kaulquappe", scherzte die Mami. "Das stimmt, und da, das kleine Schweinchen nach dem Karussellfahren, ohje, ganz grünlich ums Mäulchen." (Manche Dinge änderten sich wohl nie.)

"Wir haben schon eine schöne Kindheit", freute sich die kleine Feldmaus. "Ja, die habt ihr. Und ich hoffe, dass das auch immer so weitergeht", sagte die Mami und lächelte die Feldmaus an. "Was hältst du von einem kleinen Verdauungsschläfchen?" "Super Idee, ich bin schon ein bisschen müde", antwortete die kleine Feldmaus. Und so legten sie sich in ihre kuscheligen Bettchen.

Am späten Nachmittag wachten sie wieder auf. "Aah, das tat gut", meinte die Mami. Jetzt kümmere ich mich um das Weihnachtsessen. Ich bräuchte wieder eine Assistentin." "Zur Stelle", meldete sich die kleine Feldmaus. Und die Mami: "Danke, es gibt nämlich Westernkartoffeln und Tofufilet." "Ui, so lecker", freute sich die kleine Feldmaus und klatschte in ihre Pfötchen. "Du kümmerst dich um die Kartoffeln, ich um das Filet", wies die Mami sie an. "Alles klar", bestätigte die Feldmaus und legte begeistert los.

Eine Stunde später saßen sie beide beim Essen. "Das schmeckt so gut, Mami." "Ja, das tut es. Und deine Kartoffeln erst, wunderbar." Das freute die kleine Feldmaus sehr. "Und zum Nachtisch gibt's Geschenke?" wollte sie wissen. "Ja, meine kleine Feldmaus, die gibt es." Frau Feldmaus stand vom Tisch auf und meinte: "Komm doch einmal mit". Sie gingen zum prächtigen Baum, und Frau Feldmaus zeigte auf ein großes Geschenk. "Mach doch mal auf", freute sie sich. Das ließ sich die kleine Feldmaus nicht zweimal sagen. Geschwind entfernte sie die Schleife und das Papier, öffnete das Paket und sah... "Schlittschuhe! Danke, Mami!" Sie fiel ihrer Mutter in die Arme und gab ihr ganz viele Küsschen. "Aber gerne doch, meine kleine Feldmaus", lachte Frau Feldmaus und tätschelte das Köpfchen ihrer Tochter.

"Ich hab auch was für dich!" grinste die kleine Feldmaus und zog ein Päckchen hinter ihrem Rücken hervor. "Wo hattest du das denn versteckt?" wollte die Mami wissen. "Großes Feldmausgeheimnis" grinste die kleine Feldmaus. "Jetzt bist du dran mit Öffnen." Frau Feldmaus öffnete ihr Geschenk und war sofort begeistert. "Ohrpüschel und neue, warme Hausschuhe. Danke, meine Kleine!" "Dann kann dir weder drinnen noch draußen kalt werden" freute sich die kleine Feldmaus.

Nach dem Auspacken der Geschenke saßen sie noch den ganzen Abend zusammen und erzählten sich gegenseitig lustige Dinge. Dass sie lauthals lachen mussten, war natürlich kein Problem, die Nachbarn besuchten ja ihre Familien.

Kurz vor Mitternacht beschlossen sie, ins Bett zu gehen. Es war ein langer, aber schöner Tag gewesen. "Hat es dir heute gefallen?" wollte die Mami wissen. "Ja, sehr" freute sich die kleine Feldmaus und schaute ihre Mami an. "Es ist immer schön, mit dir Zeit zu verbringen." Und morgen würde sie all ihre Freunde zum großen Weihnachtsessen sehen. Aber das war eine andere Geschichte.

Montag, 22. Dezember 2014

96 Die kleine Feldmaus und das heilige Fest


Heute hatten die Freunde noch nicht miteinander gespielt. Alle waren aufgeregt. Heute Abend gab es doch für alle Geschenke! Die Christmaus brachte die Päckchen und Pakete schon in der Nacht davor, wenn noch alle schliefen. Niemand hatte die Christmaus jemals gesehen - auch wenn einige es behaupteten. Es war der wichtigste Tag für die kleine Feldmaus. Abgesehen von ihrem Geburstag natürlich.

Die Feldmaus war so sehr aufgeregt, daß sie sich beim Möhrenschälen in den Finger schnitt. "Aua!" rief sie und rannte zum Waschbecken. Ihre Mutti schüttelte den Kopf. "Meine kleine Feldmaus!" sagte sie ernst. "Was ist heute nur los mit dir? Es ist zwar ein besonderer Tag, aber deswegen muß man doch nicht gleich aus dem Häuschen geraten!"

"Mami, ich bin sooo aufgeregt. Ich will unbedingt das ferngesteuerte Auto von meiner Wunschliste haben!" "Bitte versteife dich nicht darauf. Deine Wunschliste ist nämlich kein Vertrag mit der Christmaus. Die Christmaus bringt dir das, was sie für geeignet hält. Ich habe eine Idee: triff dich mit deinen Freunden und spielt bis zum Mittagessen." Und schwupps, war die Feldmaus schon auf dem Weg zum Igel.

Der Igel war zwar überrascht, die Feldmaus zu sehen, freute sich aber, endlich etwas Ablenkung zu finden. "Boah, ich bin heute früh schon gegen den Türrahmen gerannt, weil ich so aufgeregt bin!" erzählte er der Feldmaus. "Und ich hab mich geschnitten! Hier! Schau mal mein Pflaster an." Die Feldmaus zeigte dem Igel ihr tolles Maus-Muster-Pflaster. Der Igel konnte es nicht glauben. "Echt jetzt? Maus-Muster-Pflaster?"

Da kam der kleine Frosch angehopst. Noch völlig aus der Puste sagte er: "Bei uns ist das Wohnzimmer abgeschlossen. Ich fühle es an meiner Nasenspitze! Der Weihnachtsfrosch bringt mir gaaaanz bestimmt mein neues, knallgrünes Fahrrad, das ich mir schon seit meinem Geburtstag wünsche!" "Na hoffentlich!" antwortete die Feldmaus. "Vielleicht hast du dann endlich eine Chance gegen mich beim Wettrennenfahren!"

Da wunderte sich der Igel. "Wieso Weihnachtsfrosch? Bei uns kommt immer Santa Igel. Meistens durch den Schornstein. Hab ihn aber noch nie gesehen." Da sagte die Feldmaus zum Frosch: "Dann hast DU jetzt aber ein Problem! Euer Kamin ist viel zu klein für so ein Fahrrad!" Der Frosch bekam ganz große Augen. Sollte das neue Fahrrad etwa an einem zu engen Kamin scheitern?

Jetzt kam auch das kleine rosa Schweinchen an. Es rannte nicht, es stolperte nicht, es schien die Ruhe in Person zu sein. "Schweinchen, wieso bist du nicht aufgeregt?" fragte der Frosch. "Ich? Aufgeregt? Pa!" antwortete es. "Erstens: ich habe eine ganz kurze Wunschliste. Da fällt der heiligen Wichtelsau die Auswahl nicht schwer. Zweitens: alle meine Wünsche sind gleich gut. D.h. ich freue mich über jedes Geschenk!"

Die Feldmaus hatte Bedenken. "Aber deine Wunschliste ist kein Vertrag mit der Christmau... äh, mit der Wichtelsau. Sie bringt dir das, was sie für geeignet hält!" Das Schweinchen schaute bedröppelt zum Boden. "Du meinst, es kann sein, daß ich nichts von meiner Wunschliste bekomme?" "Doch, doch!" sagte der Igel schnell. "Wir kriegen alle etwas ganz tolles heute Abend. Aber sag mal: was ist eine 'Wichtelsau'?"

Doch bevor das Schweinchen antworten konnte, rannten die Feldmaus und der Frosch davon und riefen: "Fangt uns!" Das ließen sich Schweinchen und Igel nicht zweimal sagen und rannten hinterher.

Am nächsten Morgen kam Frau Feldmaus in das Zimmer ihrer Tochter und machte die Gardine auf. Die kleine Feldmaus räkelte und streckte sich und nahm ihre Mutti in die Arme. "Guten Morgen meine Kleine. Hast du gut geschlafen?" "Ja Mami. Gestern früh war ich noch so aufgeregt, aber dann hatten wir einen sehr schönen Abend." "Und? Bist du sehr traurig, daß du kein ferngesteuertes Auto bekommen hast?"

"Geht so. Dann wünsche ich es mir eben zum Geburstag und geh mit dir höchstpersönlich ins Spielzeuggeschäft! Und bis dahin lese ich die spannenden Bücher, die ich gekriegt habe. Und wir spielen ganz oft das neue Brettspiel. Wie gestern Abend!" "Ja, meine Kleine, das machen wir."



Was in der nächsten Geschichte passiert


In einem Beutel hatte der kleine Igel die Fackeln mitgenommen. Die waren ganz schön schwer.


Dienstag, 25. November 2014

95 Die kleine Feldmaus unter dem Bett

Es war ein herrlicher, lauer Sommertag. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde spielten den ganzen Tag auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Fangen, Verstecken und rannten um die Wette.

Als die Feldmaus am Abend zu Bett gegangen war, bekam sie von ihrer Mutti ein Küsschen auf die Nasenspitze. "Gute Nacht Mami." sagte sie und machte ihr Nachttischlämpchen aus. Die Mutti schloß die Tür und ging ins Wohnzimmer.

Ein paar Minuten später fiel der Mutti ein, daß sie die kleine Feldmaus noch fragen wollte, ob sie am Wochenende einen Ausflug machen sollen. Vielleicht hatte die Feldmaus sich schon mit ihren Freunden verabredet. Dann mußten sie den Ausflug um eine Woche verschieben.

Also ging die Mutti zum Zimmer der Feldmaus. Als sie die Zimmertür öffnete sah sie gleich, daß die Bettdecke aus dem Bett bis auf den Fußboden hing. "Feldmaus?" fragte sie in den Raum hinein. Keine Antwort. "Feldmaus, wo bist du?" fragte sie erneut. Wieder keine Antwort. Dann machte sie das Licht an und erschrak. Die Decke hing aus dem Bett, der Schreibtischstuhl war umgefallen und das Fenster war offen und die Gardinen wehten nach draußen.

"Feldmaus, was ist denn los? Wo bist du?" sagte sie jetzt ernster, etwas lauter und mit leicht erschrockener Stimme. "Hier unten." kam als Antwort mit leiser, zittriger Stimme unter dem Bett hervor. "Was machst du denn unter deinem Bett? Und was ist hier passiert?" "Ich weiß nicht. Es wurde auf einmal hell und laut vor dem Fenster. Und dann schlugen die Flügel auf und der Wind ging durchs Zimmer. Dabei ist der Stuhl umgefallen und ich habe mich unter dem Bett verkrochen."

Die Mutti schaute aus dem Fenster, konnte aber nichts ungewöhnliches sehen. Sie schloß es wieder und hing die Gardine ordentlich hin. Sie reichte ihrer Tochter die Hand und diese krabbelte wieder unter ihrem Bett hervor und nahm ihre Mutti in den Arm. "Darf ich heute bei dir schlafen, Mami?" "Klaro!" antwortete die Mutti und ging mit der Feldmaus in ihr Schlafzimmer. Die Feldmaus kuschelte sich ins Bett. "Ich lese noch ein wenig und komme dann nachher. Schlaf schön." sagte die Mutti und schloß die Zimmertür.

Als die Mutti gegangen war, schaute die kleine Feldmaus noch eine Weile zum Fenster. Die Gardinen hingen ruhig und es blieb dunkel im Zimmer. Was konnte das vorhin nur gewesen sein? Die Feldmaus hatte gerade die Augen geschlossen, als sie wieder Geräusche vor dem Fenster hörte. Sie schaute zum Fenster und es wurde draußen hell. Die Fensterflügel schlugen auf und starker Wind zerrte an den Gardinen. Ein grelles Licht fiel in das Zimmer und machte es taghell. Die Feldmaus erschrak und setzte sich aufrecht hin, bereit, unter das Bett zu flüchten oder gleich in das Wohnzimmer zu rennen.

Plötzlich sauste ein kleines Flugzeug, beziehungsweise etwas Flugzeug-ähnliches, durch das geöffnete Fenster in das Schlafzimmer. In dem kleinen Flugzeug saß ein grünes, strubbeliges Wesen mit großen, roten, fröhlichen Augen. "AAAACHTUNG!" rief es beim Reinsausen. Dann knallte es laut, wie eine Fehlzündung, und das "Ding" segelte fast geräuschlos direkt auf die hintere Wand zu. Dort schlug es mit einem dumpfen KRUSCH auf. Das Flugzeug fiel auf den Boden und das zottelige Wesen rettete sich mit einem kleinen Fallschirm daneben.

"Ta-daaa!" machte es, als es auf seinen Beinen stand und den Fallschirm vom Kopf gezogen hatte. "Wo bin ich hier?" fragte es - scheinbar zur Feldmaus hin. "Du bist in unserem Schlafzimmer." antwortete diese zögerlich. "Und wieso schläfst du dann nicht?" "Bei dem Krach kann man ja nicht schlafen!" "Na hör mal! Ich mache doch keinen Krach." "Doch doch. Du bist hier ganz schön laut reingesegelt." "Naja, also gut. Ich bin schon mal eleganter gelandet. Aber das ist nicht meine Schuld." Wer soll denn dann Schuld sein, dachte sich die Feldmaus, aber die Antwort kam ganz ungefragt.

"Die Ungeheuer sind Schuld! Jawohl, die Ungeheuer!" "Was denn für Ungeheuer?" fragte die Feldmaus sicherheitshalber nach. "Also ich bin heute früh zum Einkaufen geflogen. Da sah es noch nicht nach einer Invasion aus. Und als ich gerade die Pastimöhren in meinen Einkaufskorb gelegt hatte, da ging es los. Ohrenbetäubender Lärm. Überall. Grelles Licht und fliegende Erdäpfel." Das zottelige Wesen machte eine kurze Pause, die die Feldmaus noch einmal zum Nachfragen nutzte.

"Was denn für Ungeheuer?" "Ach ja. Die Ungeheuer. Also ich bin beim Einkaufen und um mich herum löste sich alles in Wohlgefallen auf, da habe ich das Ungeheuer gesehen. Riesig groß und bunt und laut und... ach, was sage ich... STINKIG bis zum Himmel. Ich bin sicher, da waren auch noch mehr von denen. Aber gesehen habe ich nur eins."

Die Feldmaus wurde ungeduldig. "Ja und dann? Wieso bist du in unsere Schlafzimmer geflogen? Und mach bitte das Fenster zu. Es wird kalt!" Das blaue Wesen -war es vorhin nicht grün- ging zum Fenster und machte es zu. "So wahr ich ein Faunling bin! Das zahle ich den Ungeheuern heim!" "Ein Faunling?" wunderte sich die Feldmaus. "DU bist ein Faunling?" "Na, das sieht man doch, oder nicht?" Naja, dachte sich die Feldmaus, ich wußte nicht, daß die ihre Farbe wechseln können, aber so ähnlich habe ich mir Faunlinge schon vorgestellt.

"Und wie geht es jetzt weiter? Und wo sind die Ungeheuer jetzt?" "Du hast so viele Fragen. Das weiß ich doch alles nicht. Jetzt heißt es, die Maschine wieder in Gang zu bringen." Und der Faunling fing an, an dem verbeulten Flugzeug rum zu schrauben. Die Feldmaus dachte, sie träumt. Ein Faunling im Schlafzimmer. Das sollten doch Fabelwesen sein. Wieso steht jetzt eines vor ihr. Das mußte sie ihren Freunden sagen. Aber wie zu dieser späten Stunde?

"Ich muß mal kurz wo hin. Bin gleich wieder da." sagte die Feldmaus und ging aus dem Zimmer. Sie schlich sich in ihr eigenes Zimmer und nahm das Notfall-Walkie-Talkie. Sie drückte die Sprechen-Taste. "Hallo. Hallo. Feldmaus hier. Hört mich jemand? Es ist ein Notfall. Ein Faunling ist in unser Schlafzimmer gestürzt." Dann wurde das Walkie-Talkie laut und sie mußte die Lautstärke etwas runterdrehen. "Igel hier. Was ist in dein Schlafzimmer gestürzt?" "Schweinchen hier. Faunlinge gibt es nicht." "Doch doch. Wenn ich's euch doch sage." Der Frosch schien schon zu schlafen oder hatte sein Walkie-Talkie nicht gehört.

"Ihr müßt schnell kommen und uns helfen, das Flugzeug zu reparieren." "Was denn für ein Flugzeug." "Kommt einfach schnell her. SCHNELL! Ende." Jetzt mußte die Feldmaus ein wenig warten. Sie schlich sich wieder in das Zimmer gegenüber. "Hallo Faunling. Wie kommst du mit der Reparatur voran?" Doch er war nicht mehr da. Das Flugzeug war auch weg. Alles sah ganz normal aus im Schlafzimmer. "Mist!" sagte die Feldmaus. Hatte sich der Faunling einfach aus dem Staub gemacht. Ohne sich zu verabschieden und ohne, daß die Freunde ihn gesehen hätten.

Die Feldmaus schlich wieder in ihr Zimmer und sagte den Notfall per Walkie-Talkie ab. "Kein Notfall mehr. Faunling entwischt. Ich wiederhole: kein Notfall mehr! Ihr könnt zuhause bleiben." Die Freunde bestätigten und das Walkie-Talkie wurde ruhig. Schade. Jetzt war ein Faunling in ihrem Haus gewesen und niemand hat es gesehen. Außer sie selbst natürlich. Aber das könnte ja auch geträumt gewesen sein.


Was in der nächsten Geschichte passiert



"Was ist heute nur los mit dir? Es ist zwar ein besonderer Tag, aber deswegen muß man doch nicht gleich aus dem Häuschen geraten!"


Sonntag, 23. November 2014

94 Die kleine Feldmaus mag Huftiere

Es war ein herrlicher, lauer Sommertag. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde spielten den ganzen Tag auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Fangen, Verstecken und rannten um die Wette.

Als die Freunde eine kleine Stärkungspause machten fragte die Feldmaus: "Geht ihr heute Abend auch in den Huftier-Zoo?" "Huftier-Zoo?" wunderte sich das kleine Schweinchen. "Was ist denn ein Huftier-Zoo?" "Das ist ein Zoo, der nur Huftiere beschäftigt." "Hä?" wunderte sich das Schweinchen immer noch. "Also..." holte die Feldmaus aus. "In Wiesenstädt auf der Weide hinter dem Bahnhof ist ein kleiner Zoo..." "Ja! Den kenne ich!" unterbrach das Schweinchen.

Die Feldmaus schaute das Schweinchen streng an, welches sofort verstummte. "Dieser Zoo hat nur Huftiere. Also Tiere, die Hufe haben. Denn es gibt ja auch Tiere mit anderen Füßen. Pfoten zum Beispiel." "Jaja!" unterbrach das Schweinchen schon wieder. "Aber wieso haben die nur Huftiere?" "Das weiß ich nicht. Aber die haben Kühe, Esel, Zebras, Kamele, Antilopen und viele andere Huftiere." Jetzt wurde es spannend.

"Die haben Antilopen?" hakte das Schweinchen nach und auch der Frosch und der Igel wurden aufmerksamer. "Ja, ich denke schon." antwortete die Feldmaus etwas zögerlich. "Es gibt viele Huftiere. Ich mag Huftiere." "Ich auch!" rief der Frosch schnell hinterher. "Kann ich auch mitgehen?" fragte der Igel. Und so verabredeten sie sich alle für 18 Uhr an der Bushaltestelle.

Um 18 Uhr, kurz bevor der Bus nach Wiesenstädt fuhr, trafen sich die Freunde an der Bushaltestelle. Sie philosophierten soch ein wenig über Huftiere bis der Bus kam. Sie stiegen ein und der Bus fuhr los. Während der Fahrt zählten sie alle möglichen Huftiere auf. Auerochse, Büffel, Maultier, Nashorn, Tapir. "AHA!" rief plötzlich das Schweinchen und einige Fahrgäste schauten erschrocken zu den Freunden hinüber. Etwas leiser sagte das Schweinchen: "Tapire mag ich ganz besonders. Die sind so schön langsam."

Einige Zeit später waren sie am Ziel angekommen. Der Bus hielt aber nicht direkt beim Zoo, sondern beim Bahnhof. Also mußten die Freunde ein Stück gehen. Aber der Huftier-Zoo war ja gleich hinter dem Bahnhof. Nach einigen weiteren Minuten standen sie am Eingang des Zoos. Sie zeigten ihre Schülerausweise und konnten eintreten. Gleich am Eingang war ein Lama-Gehege. "Die können spucken." warnte der Igel und hielt lieber ein bischen Abstand vom Zaun.

"Können wir jetzt zu den Tapiren?" drängelte das Schweinchen. "Ja. Aber erst kommen noch Ziegen und Trampeltiere." Das Schweinchen lief vor den Freunden her. Als es endlich das erste Tapir sah, war an Halten nicht mehr zu denken. Das Schweinchen rannte zum erspähten Tapir hin. Kurz vor dem Ziel stolperte es über einen Stein oder so und flog in hohem Bogen auf das Tapir-Gehege zu. Das Schweinchen landete genau im Zaun, welcher komischerweise nicht standhielt und einfach umfiel. Auf einer Breite von drei Metern war der Zaun eingerissen und ein Tapir nach dem anderen lief aus dem Gehege auf den Rundweg.

"Halt! Halt!" riefen die Freunde den Tapiren hinterher. Das Schweinchen hielt sich die Seite. Der Zaun hatte doch schmerzliche Spuren hinterlassen. Aber wo die Tapire nun schon frei herumliefen, wollte sich das Schweinchen seine Lieblings-Huftiere einmal aus der Nähe anschauen und streichelte ein Tapir, das gerade über den umgefallenen Zaun stapste. Das fand die Streicheleinheiten scheinbar schön, drehte sich auf seinen Rücken und rutschte ganz nah an das Schweinchen ran. Dem Schweinchen wurde etwas mulmig. Es ließ sich aber nichts anmerken.

Die Freunde rannten unterdessen den Tapiren hinterher. Nach und nach sahen sie ein Tapir, das einem Kind ein Stück Pizza geklaut hatte, ein Tapir, das in die Ecke pieselte und drei Tapire, die auf einem Klettergerüst auf dem Spielplatz kletterten. "Das gibt es ja gar nicht." wunderte sich der Igel. "Tapire, die spielen und klettern." "Ich hätte nie gedacht, daß die Pizza mögen!" sagte der Frosch. Und die Feldmaus schüttelte den Kopf als ein Tapir traurig aus dem Giraffengarten heraus schlurfte, weil es nicht an das hoch hängende Futter ran kam.

Die Freunde schauten noch gespannt zu, wie die Tapire wieder in ihr Gehege gebracht wurden, Pizza bekamen und der Zaun repariert wurde. Dann gingen sie müde zur Bushaltestelle und fuhren nach Hause.

Am nächsten Tag stand auf der Titelseite der Zeitung eine dicke rote Überschrift: "Schüler stolpert in Zaun - alle Tapire entkommen" Im Text wurde der zuständige Zoo-Angestellte zitiert: "Am gestrigen Abend mußten wir erstaunt feststellen, daß Tapire Pizza mögen und hervorragend klettern können." "Tja." sagte das Schweinchen. "Man sollte häufiger mal Zäune einreißen!"


Was in der nächsten Geschichte passiert


Als sie die Zimmertür öffnete sah sie gleich, daß die Bettdecke aus dem Bett bis auf den Fußboden hing.


Samstag, 22. November 2014

93 Die kleine Feldmaus trifft den kleinen Feldelefant

Es war ein herrlicher, lauer Sommertag. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde spielten den ganzen Tag auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Fangen, Verstecken und rannten um die Wette.

Plötzlich entdeckte das kleine Schweinchen eine Spur. "Schaut mal hier! Eine Spur!" "Was ist das?" fragte der kleine Igel. "Keine Ahnung. Aber es scheint klein zu sein." antwortete das Schweinchen. Die Spuren waren ganz klar von einem Tier. Wenn sie nicht so klein gewesen wären, hätte man sie für die Spuren eines Elefanten halten können. "Für einen Elefanten sind die viel zu klein." erklärte die Feldmaus. "Aber die sehen wie Elefantenspuren aus!" beharrte das Schweinchen. Sie wollten den Spuren folgen.

"Die Spuren kommen aus dieser Richtung." sagte der kleine Frosch und zeigte in Richtung Wald. "Dann müssen wir dorthin, um zu suchen." entschied die Feldmaus. Und die Freunde folgten den Spuren auf dem Feldweg bis kurz hinter den Schlagbaum. Dort waren auf einmal noch mehr dieser merkwürdigen Spuren zu sehen. "Das gibt's doch nicht." sagte das Schweinchen. "Hier laufen noch mehr davon rum. Und alle in eine andere Richtung. So ein Mist!"

Und tatsächlich waren jetzt vier unterschiedliche Spuren zu erkennen, die aber leider alle in unterschiedliche Richtungen führten. "Die Tiere haben sich hier getroffen und sind dann alle wieder in unterschiedliche Richtungen gegangen." stellte der Igel fest. "Wir müssen uns aufteilen und allen Spuren folgen. Es sind genau vier!" sagte die Feldmaus. Und so ging sie selbst in Richtung Koppel, der Frosch zum Weiher, der Igel zum Buswartehäuschen und das Schweinchen in Richtung Wald.

Nach einigen Minuten hörten die Freunde einen Schrei. "HIIIIER!!" Das kam von der Feldmaus. Und die drei Freunde liefen zur Koppel, wo die Feldmaus hingelaufen war. Als sie angekommen waren sahen sie die Feldmaus mit einem kleinen... Elefanten sprechen! "Heee!" unterbrach das Schweinchen das Gespräch zwischen Feldmaus und Minielefant. "Was ist denn hier los? Worüber redet ihr?"

"Ach..." antwortete die Feldmaus. "Das ist Sämmi. Er ist ein Feldelefant und hatte sich verlaufen. Er wohnt hinter dem Wald auf der anderen Seite von Feldvippach. Beim Spielen ist er irgendwie von seiter Route abgekommen und hier bei uns gelandet." Die Freunde staunten. "Ein Feldelefant?" wunderte sich der Igel. "Ich wußte gar nicht, daß es die gibt." sagte der Frosch und kratzte sich am Kopf. "Doch doch!" erinnerte sich das Schweinchen. "Jetzt, wo ihr es sagt! Ein Feldelefant! Na klar! Deswegen die kleinen Elefantenspuren."

Die Freunde schüttelten die Köpfe. Das Schweinchen wieder. "Aber wir haben doch vier Spuren gesehen." wand das Schweinchen ein. "Die hab alle ich gemacht." sagte der Feldelefant nun selbst. "Ich wußte nicht wohin und hab mich im Kreis gedreht und mehrfach die Richtung gewechselt." "Und findest du jetzt nach Hause zurück?" fragte der Igel besorgt. "Klar. Die Feldmaus hat mir alles erklärt. Durch den Wald immer geradeaus. Am Fahnenmast nach links und durch die hängenden Büsche nach Feldvippach. Das finde ich locker!"

Die Freunde und der Feldelefant spielten noch eine Weile gemeinsam auf dem Feld. Dann verabredeten sie sich für Samstag in zwei Wochen. Die Freunde wollten den Feldelefant besuchen gehen. Dieser verabschiedete sich und zog los. Am Waldrand winkte er noch einmal zurück und weg war er.

"Ein Feldelefant!" wunderte sich das Schweinchen noch einmal. "Hier bei uns!" "Tja. Deswegen sollte man besser auf dem Weg bleiben. Damit man sich nicht verläuft." resümierte die Feldmaus. Und dann spielten die Freunde weiter bis die Sonne fast untergegangen war.


Was in der nächsten Geschichte passiert


"Die haben Antilopen?" hakte das Schweinchen nach und auch der Frosch und der Igel wurden aufmerksamer.


Donnerstag, 20. November 2014

92 Die kleine Feldmaus braucht Ideen

Es war ein herrlicher, lauer Herbsttag. Die kleine Feldmaus und ihre Freunde spielten den ganzen Tag auf dem Feld beim Weiher. Sie spielten Indianer, Polizei und Familie mit Kindern.

Als die Feldmaus am späten Nachmittag wieder zuhause war, mußte sie noch eine Hausaufgabe machen. Das hatte sie leider immer wieder aufgeschoben. Aber morgen mußte es fertig sein. Also setzte sie sich an ihren Schreibtsich und holte das Deutschheft raus.

Sie sollten einen kurzen Aufsatz schreiben und mit eigenen Worten beschreiben, worum es in der Geschichte ging, die ihre Lehrerin ihnen am Donnerstag vorgelesen hatte. Puh! Das war ja schon ein paar Tage her. Sie holte die Geschichte hervor und las sie noch einmal durch.

Es war einmal ein König mit Namen Sonnenherz. Er hatte eine Tochter, die Sonnenmarie hieß. Sie war von holder Pracht. Der König und die Königin liebten sie von ganzem Herzen. Doch eines Nachts verschwand Marie aus den Mauern des königlichen Schlosses. Das Königspaar suchte ihre Tochter überall. Zwei Jahre tagein, tagaus suchten sie und ihre Untertanen. Doch dann wurde ihre Trauer zu groß. Und langsam kam die Gewißheit, daß sie ihre Tochter nie wieder sehen würden. "Oh Tochter, komm zu uns zurück!" beteten sie jeden Tag. Aber ihr Wunsch fand keine Erfüllung. Nach 20 Jahren und einem Tag kam eine hübsche, junge Frau ins Schloß. Niemand hatte sie vorher je gesehen. Sie sagte, sie wüßte etwas über den Verbleib der königlichen Tochter. Eine böse Hexe hätte sie entführt und mit einem Zauber verwunschen. Das Königspaar glaubte der jungen Frau nicht, wollten aber auch keine Möglichkeit verstreichen lassen, ihre Tochter wiederzusehen. Also folgten sie der jungen Frau ganz allein bis tief in den Wald. Als sie am tiefsten und dunkelsten Punkt des Waldes angekommen waren, sah das Königspaar ganz viele Tiere und Wesen, die keine Angst vor den Menschen hatten. Die junge Frau erklärte, daß an diesem Punkt des Waldes noch nie zuvor ein Mensch gewesen war. Der König fragte, wo seine Tochter denn nun wäre. Und die junge Frau antwortete, daß er ganz fest daran glauben müsse, seine Tochter wiederzusehen. Dann, und nur dann, würde sie hier, am tiefsten Punkt des Waldes, erscheinen. Der König und die Königin versuchten, ganz stark daran zu glauben. Aber es geschah nichts. Die Tiere um sie herum kamen und gingen, ohne sie weiter zu beachten. Bald konnte das Königspaar nicht mehr. Nach 20 Tagen und einer Stunde gaben sie endgültig auf, an die Rückkehr ihrer Tochter zu glauben. Eigentlich hatten sie nie wirklich an ihre Rückkehr geglaubt. Der König legte sich auf den Rücken und schaute hinauf durch die Baumkronen in den Himmel. Die Königin tat es ihm nach und schloß nach einiger Zeit ihre Augen. "Wir werden unsere Tochter nicht wiedersehen." sagte die Königin zum König. "Laß uns an die Zeit denken, als sie noch bei uns war. Laß uns gegenseitig Geschichten und von Gefühlen erzählen, an die wir uns noch erinnern können." Und so erzählte jeder abwechselnd dem anderen eine Geschichte aus der Zeit, als ihre Tochter noch bei ihnen war. Bald vergaß das Königspaar, wo es sich befand. Sie dachten nur noch an die schöne Zeit vor dem Verschwinden ihrer Tochter. Sie fingen an, zu lachen und zu weinen über die schönen, lustigen und ergreifenden Geschichten, die sie sich von Früher erzählten. Dann fing der Wald plötzlich an, zu leuchten. Das Königspaar bemerkte die Veränderung zuerst gar nicht und erzählte, lachte und weinte weiter. Der Wald um das Königspaar wurde immer heller und leuchtender. Der König und die Königin hörten auf, zu lachen, und konnten gar nicht glauben, was sie sahen. Ihre Tochter, schön wie am Tag ihres Verschwindens, kam aus dem gleißenden Licht auf sie zu und nahm sie in die Arme. "Ihr habt meinen Verlust vergessen, als ihr anfingt, an Früher zu denken und euch daran zu erfreuen. Diese Freude war das Wichtigste, das ihr mit mir verloren hattet. Und es war das Wichtigste, das ihr trotzdem bewahren mußtet." Das Königspaar verstand, was ihre Tochter ihnen sagen wollte, und nahm sie an ihren Händen und sie gingen zurück zum Schloß. Dort lebten sie wieder zufrieden und ohne Trauer. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

"Boah, was eine doofe Geschichte." dachte sich die Feldmaus. Wer schreibt so einen Quark nur auf? Aber sie mußte die Hausaufgabe nun einmal machen. Und so fing sie an.

1. Versuch:
Irgend so ein König hatte eine wer weiß wie schöne Tochter. Doch die Tochter verschwand spurlos. Der König und seine Königin suchten zwei Jahre ohne Unterbrechung nach ihr. Dann gaben sie auf. Eine junge Frau klopfte nach 20 Jahren ans Schloß und sagte, sie wüßte wo die Prinzessin sei. Das Königspaar folgte der Frau bis in die Mitte vom Wald. Es war sehr traurig und konnte nicht glauben, daß seine Tochter wiederkäme. Sie träumten von Früher, als ihre Tochter noch da war. Dann wurde es hell und die Tochter tauchte wieder auf. Ende.

"Naja." dachte sich die Feldmaus. "Netter Versuch. Gleich nochmal."

2. Versuch:
Der König und die Königin hatten eine wunderschöne Tochter. Sie lebten in einem Schloß und alles war gut. Eines Tages verschwand die Tochter spurlos. Das Königspaar suchte sich dumm und dämlich, fand sie aber nicht. Es wurde sehr traurig und gab die Suche deswegen auf. Nach 20 Jahren kam eine junge Frau ins Schloß. Sie behauptete, sie wüßte, wo die verschwundene Tochter sei. Der König und die Königin glaubten der Frau zwar nicht, folgten ihr dann aber doch bis tief in den Wald. Dort hatten die Tiere keine Angst vor Menschen. Aber die Tochter tauchte trotzdem nicht wieder auf. Erst als das Königspaar sich Geschichten von Früher erzählte, vergaß es seine Trauer und freute sich wieder. Dann fing der Wald an, zu brennen, und ein Stuntman kam als Tochter-Double durch die Flammen auf die Eltern zu. Als das Feuer aus war, nahmen sich alle in die Arme und feierten ein großes Fest.

"Mist! Das war auch nichts." Die Feldmaus zerknüllte das Blatt und legte ein neues auf den Schreibtisch.

3. Versuch:
Das Königspaar Sonnenherz hatte eine wunderschöne Tochter, die Sonnenmarie hieß. Plötzlich veschwand die Tochter spurlos. Das Königspaar und alle Untertanen suchten nach ihr. Nach zwei Jahren gaben sie die Suche vor lauter Trauer auf. Sie glaubten jetzt, ihre Tochter nie wieder zu sehen. Denn auch Beten hatte ihnen ihre Tochter nicht zurückgebracht. Nach 20 Jahren und einem Tag kam eine hübsche, junge Frau ins Schloß. Sie wüßte, wo die Tochter zu finden sei, behauptete sie. Das Königspaar glaubte ihr nicht. Dennoch folgte es der unbekannten Frau. Diese führte das Königspaar bis tief in den Wald. Dort lebten Tiere, die noch nie zuvor Menschen gesehen und deswegen keine Angst hatten. Sie müssten jetzt fest an die Rückkehr der Tochter glauben, sagte die junge Frau. Und das Königspaar versuchte, fest daran zu glauben. Aber es passierte nichts. Die beiden legten sich auf den Waldboden und schauten in den Himmel. Dabei erzählten sie sich Geschichten von Früher. Schöne Geschichten über ihre noch viel schönere Tochter. Dabei vergaßen sie ihre Trauer und ihren Ärger. Sie fingen an, zu lachen und zu weinen, wegen der schönen Geschichten von Früher. Plötzlich erhellte sich der Wald und ihre Tochter kam aus der Helligkeit auf sie zu. Sie erklärte ihren Eltern, daß durch die Geschichten von Früher Freude ins Leben des Königspaars zurückgekehrt sei, und sie deswegen zu ihnen zurückgebracht worden wäre. Die Eltern nahmen ihre Tochter in die Arme und gingen zum Schloß zurück. Dort lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

"Geht doch!" Die Feldmaus war damit ganz zufrieden. Aber sicherheitshalber holte sie die zerknüllten Blätter wieder aus dem Papierkorb, strich sie glatt und steckte sie mit dem dritten Versuch in das Deutschheft. Na, wenn die ganze Arbeit keine gute Zensur gibt, dann...


Was in der nächsten Geschichte passiert


"Die Spuren kommen aus dieser Richtung." sagte der kleine Frosch und zeigte in Richtung Wald.


Montag, 17. November 2014

91 Die kleine Feldmaus macht frischen Kaffee

Es wurde ein herrlicher, lauer Herbsttag. Die kleine Feldmaus stand heute etwas früher auf, weil sie nicht mehr schlafen konnte. Dann hatte sie eine Idee. Sie wollte ihre Mutti wecken und mit frisch aufgebrühtem Kaffee überraschen. Sie ging in die Küche und schloß leise die Tür.

Aus dem Schrank holte sie die Kaffeepackung und eine Filtertüte. Sie steckte die Filtertüte in die Kaffeemaschine und löffelte Kaffeepulver hinein. Sieben Löffel müßten reichen. Ach Quark! Besser acht Löffel - der Kaffee sollte ja nicht zu dünn werden. "Es gibt nichts schlimmeres als Kaffeeplörre." sagte ihre Mutti immer. Dann füllte sie Wasser in den Tank der Maschine und stellte sie an. Es fing an, zu blubbern und lecker zu duften.

Nach ein paar Minuten dampfte es kräftig und das Blubbern verstummte. Der Kaffee war fertig. Die kleine Feldmaus nahm eine Kaffeetasse mit Untertasse aus dem Geschirrschrank und füllte die Tasse bis oben hin. Sie tat zwei Löffel Zucker dazu und rührte um. Milch gab es keine, weil ihre Mutti den Kaffee schwarz liebte. Dann schlich sie leise mit dem Kaffee in der Hand zum Schlafzimmer der Mutti.

Sie klopfte vorsichtig an und öffnete die Tür. Ihre Mutti murmelte etwas - sie schien noch geschlafen zu haben. "Mutti." sagte die Feldmaus leise und mit lieblicher Stimme. "Ich habe dir Kaffee gemacht. Guten Morgen!" Ihre Mutti drehte sich um und nahm ihre Schlafmaske ab. "Oh Feldmaus. Wie spät ist es?" Sie schaute zur Uhr. Erst viertel vor acht. "Es ist ja noch nicht einmal acht Uhr!"

"Möchtest du den leckeren Kaffee probieren?" fragte die Feldmaus zögerlich. "Ja, natürlich!" antwortete ihre Mutti und nahm die Tasse entgegen. Sie trank einen Schluck und verzog das Gesicht, als wenn sie in eine saure Zitrone gebissen hätte. Waren acht Löffel Kaffee zuviel gewesen? "Hmmm! Lecker!" sagte sie und strich ihrer Tochter über den Kopf. "Hab ich zuviel Kaffee genommen, Mami?" "Ein wenig zuviel. Aber es geht schon. Bitte gib mir noch ein bisschen mehr Zucker."

Die Feldmaus ging in die Küche, um den Zuckerstreuer zu holen. Die Mutti nahm zwei Portionen und rührte um. Sie trank einen weiteren Schluck und fing an zu grinsen. "Was ist Mami? Wieso grinst du?" "Weil der Kaffee super lecker ist. Denn der ist von meiner kleinen Feldmaus!" Jetzt lächelte auch die Feldmaus. "Ich fange schon mal an, das Frühstück zu machen, ja?" "Ok. Ich komme gleich."  antwortete die Mutti und hörte schon Geklapper aus der Küche.

Ein paar Minuten später kam die Mutti in die Küche und sah einen fast vollständig gedeckten Küchentisch. "Oh! Du bist ja schon fast fertig. Sogar die Brötchen sind schon im Ofen." "Ja Mutti. Ich habe auch nochmal neuen Kaffee gemacht. Diesmal nur mit fünf Löffeln Kaffeepulver." "Das ist genau die richtige Menge! Auf DEN Kaffee freue ich mich jetzt aber ganz besonders."

Als die Brötchen fertig waren, nahm die Feldmaus sie aus dem Ofen und legte sie in den Brötchenkorb auf dem Küchentisch. Die Mutti schenkte sich den neuen, frischen Kaffee ein und tat etwas Zucker dazu. Sie rührte ihn um und probierte davon. "HMMM! DAS ist jetzt aber super leckerer Kaffee." sagte sie und bestrich eine Brötchenhälfte mit Marmelade. Es wurde ein sehr ausgiebiges Frühstück.


Was in der nächsten Geschichte passiert


Sie sollten einen kurzen Aufsatz schreiben und mit eigenen Worten beschreiben, worum es in der Geschichte ging, die ihre Lehrerin ihnen am Donnerstag vorgelesen hatte. Puh!